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DigComp 3.0 AT geht online: Neue Website macht digitale Kompetenzen direkt anwendbar

fit4internet – die Expert:innen-Organisation für digitale Kompetenzen - stellt das Digitale Standardkompetenzmodell für Österreich – DigComp 3.0 AT mit einem Update von 666 Lernergebnissen und 719 Kompetenzstatements und als selektierbare Excel-Download-Arbeitsgrundlage für Curricula, Berufsprofile und Qualifizierung zur Verfügung.

Wien, 03.08.2026 – Digitale Kompetenzen entscheiden über erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Entwicklung und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Mit dem Launch der Website zu DigComp 3.0 AT macht fit4internet das österreichische Digitale Standardkompetenzmodell DigComp 3.0 AT unmittelbar arbeitsfähig: Wer Lehrpläne entwickelt, Stellenprofile schreibt oder Qualifizierungen konzipiert, kann sich auf Basis der bisher veröffentlichten Lernergebnisse in den 30 Einzelkompetenzen in 6 Kompetenzbereichen eine Auswahl selbst zusammenstellen und als Excel-Datei herunterladen. Die Lernergebnisse werden in Co-Creation Prozessen mit Expert:innen und Praktiker:innen laufend erweitert.

„Ein Kompetenzmodell beweist seinen Wert nicht als Publikation in PDF- oder Word-Format, sondern in seiner Anwendung. Deshalb haben wir DigComp 3.0 AT so aufbereitet, dass Bildungseinrichtungen und Unternehmen ab dem ersten Klick damit arbeiten können, ohne Umweg, ohne Übersetzungsaufwand“, so Markus Schaffhauser, Präsident von fit4internet.

Das neue Feature: Lernergebnisse selektieren, exportieren, einsetzen

DigComp 3.0 AT beschreibt für jede der 30 Einzelkompetenzen konkrete Lernergebnisse in den Dimensionen Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen. Dazu wurden einerseits die für das Europäische Modell DigComp 3.0 EU entwickelten Lernergebnisse (522) herangezogen, die vom Joint Research Centre, der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, entwickelt wurden. An der Entwicklung des europäischen Kompetenzmodells DigComp 3.0 EU hatte fit4internet in einer internationalen Fachgruppe mitgearbeitet und konnte so die europäische Expertise aus erster Hand direkt in die Weiterentwicklung für Österreich einbringen. Im März 2026 wurde in den Medienimpulsen der Universität Wien die umfangreiche Publikation Digitales Kompetenzmodell für Österreich: DigComp 3.0 AT veröffentlicht.

DigComp 3.0 AT umfasst den europäischen Kern vollständig und nummerngleich und geht sogar einen Schritt weiter und erweitert ihn aus zwei Modellgenerationen österreichischer Praxis und Forschung um den Kompetenzbereich 0, neun Einzelkompetenzen, die acht NQR-orientierten Kompetenzstufen und eigene Lernergebnisse. Zur Einordnung: Der im Juni 2026 publizierte Nationale Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (NRDK) übersetzt das europäische Modell als reduziertes Basismodell mit fünf Kompetenzbereichen, 21 Einzelkompetenzen und vier Niveaustufen, und damit als verkürzte Fassung gegenüber der bisherigen DigComp-AT-Praxis. Die Website stellt beide Modelle gegenüber und zeigt so die Kompatibilität von DigComp 3.0 AT mit DigComp 3.0 EU wie mit dem NRDK unmittelbar auf.

Auf www.digcomp.at wird die Struktur des DigComp 3.0 AT übersichtlich dargestellt und die Lernergebnisse können nach Kompetenz und Kompetenzstufen gefiltert und als strukturiertes Excel-Workbook exportiert werden - inklusive Quellenkennzeichnung und optional der Kompetenzstatements. Die Datenbasis umfasst 666 Lernergebnisse (522 aus dem DigComp 3.0 EU Data Supplement des Joint Research Centre, CC BY 4.0, ergänzt um 144 österreichische Lernergebnisse für den österreichischen Kompetenzbereich 0 und die ergänzten Einzelkompetenzen) sowie 719 Kompetenzstatements über acht Kompetenzstufen orientiert am Nationalen Qualifikationsrahmen.

Konkrete Einsatzfelder:

  • Curricula und Kursentwicklung – Lernergebnisse können direkt als Lernziele übernommen und über die Niveaustufen NQR-konform verortet werden, vom Einstiegsmodul bis zum Expert:innenprogramm.
  • Berufsprofile und Stelleninserate – relevante Kompetenzen und Stufen auswählen und die Formulierungen als überprüfbares Anforderungsprofil übernehmen, anschlussfähig etwa an das AMS-Berufsinformationssystem.
  • Qualifizierung und Zertifizierung – Angebote und Kompetenzfeststellungen präzise und vergleichbar beschreiben.

Acht Stufen statt vier: die entscheidende Auflösung

Während der europäische Rahmen primär mit vier Niveaustufen arbeitet, löst DigComp 3.0 AT jede Stufe in zwei granulare Kompetenzstufen auf - von 1 „elementar“ bis 8 „innovativ“ - und macht sie den Niveaus des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR 1–8) direkt zuordenbar. Genau diese Auflösung ist eine Grundlage dafür, dass Anforderungsprofile, Qualifizierungen und Zertifizierungen sinnvoll ineinandergreifen können.

Ebenso substanziell ist die inhaltliche Erweiterung: Zu den 21 europäisch identen Kompetenzen kommen bereits seit dem Digitalen Kompetenzmodell für Österreich – DigComp 2.3 AT (2022) zusätzlich österreichische Ergänzungen hinzu, die nun noch an aktuellen Entwicklungen orientiert ergänzt wurden. Darunter sind der eigene Kompetenzbereich 0, der auf das grundlegende Verständnis für digitale Technologien sowie deren Anwendung und Bedienung fokussiert und die Kenntnis, die Anwendung sowie die Bereitstellung von Werkzeugen und Strukturen zur digitalen Barrierefreiheit umfasst. Dazu kommen das Verständnis für den Unterschied zwischen analog und digital, die Auseinandersetzung mit der Digitalität und die Entwicklung einer Urteilsfähigkeit gegenüber Chancen, Grenzen und Risiken der Digitalisierung.

Damit verankert Kompetenzbereich 0 den menschzentrierten, reflektierten und verantwortungsvollen Einsatz digitaler Technologien im Sinne des Digitalen Humanismus: die bewusste Ausrichtung digitaler Technologienutzung an menschlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Werten sowie an Fragen der Selbstbestimmung, Fairness, Teilhabe, des Wohlbefindens und des gesellschaftlichen Zusammenlebens – einschließlich der Fähigkeit, den Unterschied zwischen Mensch und Maschine bewusst zu erkennen und daraus Werte, Verantwortlichkeiten und Grenzen abzuleiten.

Warum Kompetenzbereich 0 eine essentielle Stellung in Arbeitsmarkt und Wirtschaft einnimmt

Inklusion, digitale Teilhabe und Grundlagenverständnis sind kein Nebenprodukt anderer Kompetenzen, sondern eine eigene Struktur des Denkens. Das europäische Kompetenzmodell DigComp 3.0 (EU) erkennt grundlegende digitale Voraussetzungen ausdrücklich an und zitiert im Abschnitt zu den Voraussetzungen grundlegender digitaler Kompetenz (2.4.2) das österreichische Modell als Beispiel – verbunden mit der Warnung, dass digitale Exklusion wächst, wenn Zugang, Ausstattung und Unterstützung unberücksichtigt bleiben. In die eigene Struktur aufgenommen hat es den Bereich 0 bisher allerdings noch nicht. DigComp 3.0 AT hält aus vier Gründen daran fest:

International angeregt: Die UNESCO merkte bereits 2018 in ihrem globalen Referenzrahmen für Digital Literacy (Indikator 4.4.2) Defizite des DigComp bei Inklusion und Konnektivität an. Kompetenzbereich 0 ist die über zwei Modellgenerationen (DigComp 2.2 AT und 2.3 AT) verfeinerte strukturelle Antwort Österreichs – heute auf EU-Ebene angekommen.

Vom Bildungssystem gestützt: Der ab 2027/28 vorgesehene Pflichtgegenstand „Medien und Demokratie" (AHS-Oberstufe, 5. und 6. Klasse, zwei Wochenstunden; gesetzliche Grundlage im Juli 2026 beschlossen, Lehrplanentwurf seit 14. Juli 2026 in Begutachtung) macht genau das zum Lerngegenstand, was Kompetenzbereich 0 sichtbar macht: Grundlagenwissen zu analogen, digitalen und synthetischen Medien inklusive Deepfakes oder KI-gestützter Plattformlogiken (0.1), die Urteilsfähigkeit, zwischen legitimer Interessenvertretung, Persuasion und Manipulation zu unterscheiden (0.4), sowie eine selbstbestimmte, verantwortungsbewusste und solidaritätsorientierte Beteiligung an medialen Öffentlichkeiten (0.5). Fragen von Inklusion, Exklusion und gesellschaftlicher Sichtbarkeit (0.3) können in den demokratietheoretischen Kategorien mitbehandelt werden und digitale Barrierefreiheit im engeren Sinn im Schwesterfach „Informatik und Künstliche Intelligenz".[1]

International bestätigt: Rumänien hat im Mai 2024 mit DigCompRo per ministeriellem Akt ebenso einen Kompetenzbereich 0 als Kernbereich verabschiedet, funktional und inhaltlich stark an das österreichische Modell angelehnt. Denn gerade Grundlagenverständnis, digitale Teilhabe und Inklusion werden als essentiell für den digitalen Kompetenzaufbau beurteilt und im nationalen Kompetenzmodell entsprechend sichtbar gemacht.

Explizit statt implizit: Die EU-Lernergebnisse des DigComp 3.0 EU (Cosgrove & Cachia, 2026) zeigen in 9 der 30 Kompetenzen des erweiterten Modells  DigComp 3.0 AT – der gesamte Bereich 0 sowie 2.7, 3.5, 4.5 und 5.5 – keine ausreichende Abdeckung. DigComp 3.0 AT ergänzt deshalb 144 eigene Lernergebnisse.

Diese Ausrichtung ist praktisch verankert: Der bis 2026 verwendete NRDK hatte DigComp 2.3 AT inklusive Kompetenzbereich 0 als nationalen Standard etabliert – vom Arbeitsmarktservice Österreich bis zu großen Qualifizierungsanbietern. Auch im Konsultationsprozess zum neuen NRDK haben zahlreiche Stakeholder den Kompetenzbereich 0 und die Struktur des DigComp 2.3 AT als sinnvolle Grundlage für die Weiterführung verortet.

Anschlussfähig, nicht konkurrierend

DigComp 3.0 AT baut auf dem europäischen Referenzrahmen auf und ist ein erweitertes, auf die Bedürfnisse von Arbeitsmarkt und Wirtschaft ausgerichtetes Kompetenzmodell, das vollständig kompatibel zum inhaltlich reduzierten Nationalen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen ist und diesen umfasst. Die Website macht diese praxisorientierten Erweiterungen im direkten Vergleich sichtbar. „Europäische Vergleichbarkeit und praktische Nutzbarkeit sind kein Gegensatz. Wir liefern beides und das ab sofort in einem Format, mit dem man am selben Tag zu arbeiten beginnen kann“, so f4i- Generalsekretärin Ulrike Domany-Funtan.

Österreichische Expertise seit 2018

fit4internet begleitet das österreichische Digitale Kompetenzmodell seit 2018; DigComp 2.2 AT und 2.3 AT sind heute etablierte Grundlage für Kompetenzfeststellung und Qualifizierung. Ulrike Domany-Funtan war als einzige österreichische Expertin direkt vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission in die Entwicklung von DigComp 3.0 EU eingebunden; FH-Prof. Dr. Alexander Schmölz war Teil des europäischen Stakeholder-Prozesses. Die Expertise floss im Auftrag der Weltbank auch in DigCompRo ein, das 2024 von der rumänischen Regierung verabschiedete Kompetenzmodell.

Die Publikation zu DigComp 3.0 AT erschien im März 2026 in den Medienimpulsen der Universität Wien (doi: 10.21243/mi-01-26-29). An der Weiterentwicklung wirkten neben den Autor:innen zahlreiche Expert:innen aus AMS, RTR, ABZ*Austria, IWI und ETC mit.

Über fit4internet

fit4internet ist DER gemeinnützige Verein zur Standardisierung und Steigerung der digitalen Kompetenzen in Österreich und international als Expert:innen-Organisation tätig, der auch in Österreich seit 2018 die Entwicklung und Anwendung des österreichischen Digitalen Kompetenzmodells DigComp AT mitgestaltet.



[1] Quelle: BMB, Entwurf einer Verordnung, mit der die Verordnung über die Lehrpläne der allgemeinbildenden höheren Schulen geändert wird, Anlage A, Achter Teil, „Medien und Demokratie", S. 319–326; Begutachtungsfrist 11. August 2026 (RIS-Dokument BEGUT_AD6D75E6_E747_4303_B1F5_E9A0B7DA7A93). Gesetzliche Grundlage: Nationalrat 7. Juli 2026, Bundesrat 16. Juli 2026. Zuordnung zu den Kompetenzen 0.1–0.5: eigene Analyse fit4internet, 2026.